4-säuliger ionischer (Rund-) Tempel auf einfachem Fundament. Die beiden mittleren Säulen sind auf doppelte Jochbreite auseinandergerückt, jedes Säulenpaar wird von einem fast halbrunden Bogen ohne Architrav überspannt. Das bedeutet, daß der mittlere Bogen doppelt so hoch und weit erscheint wie die beiden äußeren. Die Säulen werden von balkenartigen Rippen getroffen, die strahlenförmig von der Dachspitze mit einer Kugel ausgehen. In dem durch die zwei mittleren Rippen und den großen Bogen entstehenden Dreieck drei undefinierte Objekte (Punkte). Im Zentrum eine Sitzstatue der Astarte mit Aplustrum und Ruder nach links.

Alle Ref. stempelgleich.

Es handelt sich um einen kleinen Tempel/ Schrein mit quadratischem / rechteckigen (oder rundem) Grundriß. Die zur Seite weisenden Gebäudeteile sind verkürzt (verkleinert) jeweils um die inneren Säulen nach vorne gedreht, sehr ähnlich der (stilistisch jedoch sehr unterschiedlichen) Drachme aus Alexandria (#a0500img). Die Statue ist, wie gewohnt, ihrer Bedeutung entsprechend übergroß dargestellt.

Alle Ref. beschreiben den Bau als "tetrastyle facade" (Hill, BMC lxx sogar :"...possibly of a hexagonal form with pyramidal roof.", vgl. dagegen Drew-Bear, S.51f), das kann nicht richtig sein: der fehlende Architrav, damit der nicht vorhandene Giebel (gleich welcher Art), sowie die strahlenförmige Dachstruktur verbieten die Deutung als eine Fassade sensu strictu. Stattdessen zeigt der Graveur die Seiten des (vermutlich kleinen) Baus durch Schwenken in die frontale Ebene, vgl. zB die Darstellung des Janus-Tempels (s. Notiz zu #a0076img). Daraus ergibt sich zwingend, daß man ein Pyramidendach (Grundriß quadratisch), vielleicht aber auch ein Kegeldach (Grundriß zirkulär) erkennen muß.
Die Verwirrung mag daher rühren, daß ua weitere Abbildungen (vermutlich) desselben Tempel vorliegen (ua BMC 60 und 61), dabei ist BMC 60 bei genauem Hinsehen ohne signifikanten Unterschied zu der vorliegenden Münze. BMC 61 differiert dadurch, daß die Bögen über den seitlichen Säulenpaaren verschwunden und durch waagerechte Epistyle ersetzt sind; und obwohl die Abb. nicht optimal ist, sind die zentripetalen Dachrippen gut zu sehen. Das bedeutet, daß auch diese Version nur ein 'Pseudo'-Tetrastylos ist, der Graveur Funktion und Bedeutung der seitlichen kleinen Bögen aber nicht (mehr) verstanden hat (*). Dazu paßt, daß der mittlere große Bogen unverändert aufsitzt (jetzt dem Epistyl, zuvor den Kapitellen) und nicht die Gebälkstruktur fortsetzt, was aber konstitutiv für den 'syrischen Giebel' ist.

Gelegentlich werden solche "Reihen" (vgl. ua Nisibis #a0664img - #a0689img, Hypaipa #a0015img, s.dort) als treue Wiedergaben von verschiedenen Bauabschnitten oder Veränderungen am Bau im Laufe der Zeit verstanden.
In diesem Sinne interpretiert Trell (S.37) die Münze (#a0107img) als eine Reduktion des gesamten Tempels auf den Standort der Astarte-Statue in einer Nische. Inklusive anderer Varianten (ua BMC Supp Tf.41.13) hält die Autorin (ebda.) alle Münzbilder mit Astarte im 'Tempel' für die Darstellung desselben Baus ("...all the coins represent the same sanctuary."). Das kann für die Mehrzahl der aaO aufgeführten Beispiele (vgl. #a0107img) zutreffen.
Zumindest jedoch scheint sich die vorliegende Münze nicht in die Reihe zu fügen: es ist die einzige Darstellung, welche den Bau mit einem Dach vorstellt; auch unübersehbare Darstellung in ionischer Ordnung (alle anderen mit korinthischen Kapitellen) sollte aufmerken lassen, auch wenn die Stempelschneider sich häufig über solche "Kleinigkeiten" hinweggesetzt haben. ((vgl.
Ich nehme deshalb an, daß wohl zwei verschiedene Astarte - Heiligtümer numismatisch präsentiert werden: eines ua mit hohem Dach in ionischer Ordnung, das andere mit Flachdach (zB BMC Phoen.Supp.Tf.41.13) in korinthischer Ordnung (vgl.#a0107img).

(*) insofern hat hier eine 'Entwicklung' des Münzbildes stattgefunden, die bei oberflächlicher Betrachtung - der Bau erscheint als Tetrastylos mit 'syrischem Bogen' - das Verständnis des ursprünglichen Bildes erschwert.

Literatur:

Drew-Bear, T.: Representations of Temples on the Greek Imperial Coinage, Museum Notes 19, New York 1974, S.27-63
Trell, B.L.: Architectura numismatica orientalis. A short guide to the numismatic formulae of Roman Syrian die-makers, NC 10 (1970), S.29-50