4-säuliger (die vierte Säule wird von der Statue verdeckt oder ersetzt) Tempel über Eck auf 2-stufiger Basis nach rechts. Einfacher Giebel, Akroteren, im Giebelfeld Punkt. Das Mauerwerk der Seitenwand ist schachbrettartig, nicht versetzt gestaltet. Das Dach ist in drei Reihen waagerecht und ortgangsgerecht gedeckt, der First erreicht aber nur die halbe Höhe des Giebels. Allerdings soll wohl kein partieller Scheingiebel gezeichnet werden. Eher hat dem Graveur wohl der Platz nicht gereicht, ein Problem, welches sein Kollege zuvor auf andere Art gelöst hat (vgl. #a0435img).
Im Tempelinnern, so ist anzunehmen, steht Apollo vor einem Dreifuß mit einer Phiale in der Rechten und einem Bogen in der Linken. Allerdings ist die Statue so plaziert, als ob sie die zweite Säule von links ersetzt (oder überschneidet), nach Auskunft des Münzbildes steht Apoll also vor der Säulenfront. Das ist eine sehr phantasievolle (und wohl einmalige) Lösung des Platzproblems zwischen den Säulen (s.u.).

Rs.Variante Caracalla (#a0435img).
Derselbe Tempel wurde in Frontansicht unter Volusianus (s.Notiz zu #a0444img) geprägt.

Filges (S.143) betont mit Recht die 'Realitätsferne' der Tempeldarstellungen auf Münzen, und natürlich ist bei dieser Art von 'Architekturdarstellung' die Kultszene das erste Motiv. Warum dann zusätzlich die verschiedenen Tempelbilder? Ohne 'Architektur' könnte die Gottheit doch viel prominenter gezeigt werden! Daß die Tempeldarstellungen als zweites Motiv den Emittenten häufiger nicht gleichgültig gewesen sein konnten, kann man leicht daran sehen, wie die Graveure sich mit der 'Realität' schwertun und zu welchen Problemlösungen sie kommen: Dabei hat die Kultszene als Vorgabe zu gelten, welche (vergleichbar mit einer Sitzstatue oder auch mit einer Mehrpersonenszene) mehr Raum in der Breite benötigt.

Von der hexastylen Templefront (#a0444img, Filges Abb.100, vgl. Bellinger A416) ausgehend sieht man, daß der Stempelschneider die Säulen bds. aufs Engste zusammenführt und damit in der Mitte einen sehr breiten Raum schafft, in der Weise sehr selten auf Münzen diesen Formats. Damit sind Haupt- und Sekundärmotiv eigentlich ausreichend ins Bild gebracht.
Generell sind Darstellungen über Eck darüberhinaus nur dann sinnvoll, wenn man akzeptiert (*), daß sozusagen noch 'etwas mehr' (vom Tempel!) gezeigt werde sollte. Es handelt sich in Alexandria wie meist überwiegend um Tetrastyloi, zwei Säulen sind dem durch die Darstellung erforderlichen etwas kleineren Bild geopfert. (**)
Obwohl Filges seine Beispiele als Abb. 98 bzw. 99 (#a0060img8 und #a0435img) direkt nebeneinander plaziert, sieht er zwei bzw. vier frontale Säulen. Es sind jeweils aber nur drei Säulen geprägt; dennoch handelt es sich unzweifelhaft in beiden Fällen um Tetrastyloi, und zwar dank des Kunstgriffs, der die vierte Säule (2. von links ***) mit der Figur des Gottes überdeckt. Der Graveur gewinnt dadurch noch mehr Platz, verlegt jedoch logischerweise die Kulthandlung vor den Prostylos, was man kommentarlos der künstlerischen Freiheit zugutehalten darf.
Schließlich wird die Tempeldarstellung bei gleichem Münzformat noch kleiner, weil jetzt das hohe Podium mit Zugang zusätzlich gezeigt wird; einerseits müssen nun zwei weitere Säulen zugunsten der Kultszene weichen, andererseits hat der Künstler nun die Möglichkeit, auch das Dach sachgerecht auszuformen. Außerdem belegt die Prägung, daß die Kultszene im Prostylos stattfindet, und nicht davor (s.o.). Es wäre allerdings schön, wenn wir den Verantwortlichen fragen könnten, warum nun Säulen an der Seite des Tempels zu sehen sind (im Sinne eines Säulenumgangs). Price/Trell (passim) waren bekanntlich davon überzeugt, daß prinzipiell einem Münzbild keine Phantasieelemente zugefügt worden sind. Daraus wäre im vorliegenden Fall zu folgern, daß der Blick direkt auf die gemauerte Cellawand nach Eliminierung der Säulen fällt (#a0435img und #a0608img).

(*) auch wenn es manchen Autoren schwerfallen mag.
(**) wenige Distyloi, zB Bellinger A332.
(***) bei Abb. 98 kann man sogar das Säulenkapitell erkennen.


((Apollo Smintheus, Erklärg.

Literatur:

Filges, A.: Münzbild und Gemeinschaft. Die Prägungen der römischen Kolonien in Kleinasien (Frankfurter archäologische Schriften Bd 29), Bonn 2015
Penn, R.G.: Medicine on ancient Greek and Roman Coins, London 1994, S.48f