4-säuliger (Rund-/Bogen-) Tempel mit paarweise auf höherem Sockel eng zusammenstehenden Säulen ohne Architrav und gegliederten Giebel. Ein kuppelartiges Dach über den beiden inneren Säulen wird wohl auch etwas schräg von unten gesehen. Den äußeren Säulen liegt ein breiter mit Dachziegeln (Gitternetz ?) versehener Bogen im Sinne eines Kuppeldaches auf. Die Säulenpaare mit ihren Sockeln stehen auf einem hohen rechteckigen Block, der die Aufschrift "FORTUN"(!) trägt. Im Innern steht Fortuna mit Langszepter im linken Arm vor einem flammenden Altar auf einer eigenen schmalen Basis; sie leert ein Füllhorn (?) über die Flammen.

s. Notiz zu (#a0530img).
Alle Ref. und (ua #k0175, Aukt. MüMeDe 11.110) bds. stempelgleich.
Schreibfehler "COLONA" (!) richtig gelesen nur von Imhoof-Blumer, "FORTUN" (!) nur in SNG France; in Winsemann beide Legenden falsch gelesen.

Die Auflösung des "SR" (auch #a0530img) war lange Zeit trotz einer ganzen Reihe von Vorschlägen (s. Levick, S.55ff) unbefriedigend. J.Nolle (S.356) ergänzt zu "socia Romanorum" (ΣΥΜΜΑΧΟΣ ΡΩΜΑΙΩΝ), einem Ehrentitel für einige Städte im Zusammenhang mit Leistungen aller Art im Rahmen der militärischen Operationen im Osten (bes.im 3.Jhdt.). Auf Münzen erscheint die die Abkürzung lt. Nolle (S.352) ausschließlich in Antiochia und Iconium.

Die Rs. gehört zu den wenigen Prägungen, welche die Identifikation durch eine Inschrift auf einem Bauteil (Sockel, Architrav) erlaubt, vgl. zB #a0983img (Abdera, Juno).
Häufiger ergibt sich die Zuordnung eines Tempels aus der Umschrift am Rand oder im Feld der Rs., zB Jupiter (#a0121img), Juno (ua #a0039img), Venus u. Roma (ROMAE AETERNAE, #a0132img, #a0062img), Venus (#a0569img), Vesta (#a0243img).

Imhoof-Blumer (KM): "Tempelfront".
Filges, S.163: (tetrastyles) "Gebäude mit Rundgiebel" (Def.: ein 'Giebel' umschließt die Stirnseite eines Baus).

Archäologisch korrespondiert wohl eine Rotunde auf der "Tiberia Platea", vgl. Mitchell/Waelkens (S. 154ff). Ein Dachteilstück ist ua erhalten, dekoriert mit reihenweise versetzten und sich überlappenden, gering zugespitzten "Schindeln" (ebda. Abb.111).

Literatur:

Filges, A.: Münzbild und Gemeinschaft. Die Prägungen der römischen Kolonien in Kleinasien (Frankfurter archäologische Schriften Bd 29), Bonn 2015
Krzyszanowska, A.: Monnaies coloniales d'Antioche de Pisidie, Warschau, 1970
Levick, B.: The Coinage of Pisidian Antioch in the Third Century A.D., NC 6 (1966), S.47-59
Mitchell, S. u.Waelkens, M.: Pisidian Antioch, the Site and its Monuments, Guildford 1998
Nolle, J.: 'Colonia und Socia der Römer'. Ein neuer Vorschlag zur Auflösung der Buchstaben 'SR' auf den Münzen von Antiochia bei Pisidien; in: Rom und der griechische Osten, Festschrift für H.H.Schmitt, Stuttgart 1995, S.350-370