Jahr 323 der Ära (255/6 n.Chr.).

Gemauerte Brücke mit 5 Rundbögen, zu der links ein (verkürzter) Aufgang führt und die rechts abgeschnitten erscheint. Auf den Scheiteln der Bögen liegt in der ganzen Breite ein Geländer mit einer Vielzahl von senkrechten Streben. Links erhebt sich, parallelperspektivisch auf das Geländer aufgesetzt, ein Torbau, der zum Teil vom Perlkranz der Münze abgeschnitten ist. Soweit erkennbar besteht der Bau aus zwei basalen Rundbögen, auf deren Scheiteln die Schenkel eines dritten Rundbogens ruhen. Die Bögen scheinen von einem rechteckigen Rahmen eng umfaßt. Auf der rechten Seite der Brücke steht ein aus zwei Lagen bestehender Rundbogen in der gleichen Perspektive wie der Torbau. Auf dem Geländer in der Münzmitte lagert der Flußgott Pyramos, dessen Name im Abschnitt erscheint, mit einem Füllhorn. Auf der Höhe der unteren Pfeilerenden sind fließende Wasser durch schräg verlaufende geschwungene Linien dargestellt, die sich in eher waagerechten Linien zum Fluß vereinen. Zwischen den Brückenbögen ist "Δ-Ω-Ρ-Є-Α" zu lesen.

Stempelgleich: (#k5713, #k6505 = CNG 88.985).
s. Variante (#a0648img).

Vier sehr ähnliche, aber doch sicher unterschiedliche (beachte ua Lagerung des Flußgottes, Zahl der Torbögen, Legenden) Rs.Stempel:
a (drei Torbögen links, ein Bogen rechts): dieses Ex. ("V" anstatt "Ψ"), Fitzwilliam 5267, wohl auch Ziegler/Kil. 946 (Photo nicht ausreichend zu beurteilen) und Price/Trell 83 (Rs);
b/c (drei Torbögen links, rechts kein Bogen): SNG Pfalz 946 (ua "ΑΔΡ") bzw. SNG vAulock (ua "ΑΔΡΙ") und SNG Righetti ("ЄΤ" nicht gelesen); SNG France 1998 Photo nicht verwertbar;
d (ein Bogen links, ein Bogen rechts): Variante #a0648img, SNG Pfalz 947, SNG Levante 1359 (falsch "ΑΔΡΙ" gelesen).
vAulock/Mopsos (5 Belege, abgebildet 85e) Nr.85b = Fitzwilliam5267, Nr.85e = SNG vAulock 5747.

Es handelt sich um die einzige Architekturdarstellung auf Münzen der Stadt.

Anscheinend folgt der Stempelschneider dem Vorbild (#a0638img, s.dort), ohne dessen relativ geschickte Handhabung der perspektivischen Möglichkeiten zu erreichen. Der Stempel zu (#a0648img) wirkt noch um ein Geringes weniger gekonnt.

Da die Darstellung auf der rechten Seite abgeschnitten erscheint, ist anzunehmen, daß das historische Vorbild weitere Bögen besaß.

Die Prägung erfolgte wohl zu Ehren von Valerian, der diese Brücke der Stadt geschenkt hatte, wie aus dem Text zwischen den Pfeilern hervorgeht.
Mehr oder minder ausgiebige Schenkungen für Bauten aller Art waren fast alltäglich, jedoch nicht nur aus den Schatullen des Kaisers, sondern auch aus Privatvermögen. So spendete zB Ti.Claudius Italicus 20 000 000 Denare für den Bau des Aquaedukts in Aspendos. Ein gewisser Opramoas gab mehrfach 1 Mill. Denare ua zum Wiederaufbau nach dem Erdbeben 141, aber auch für soziale Hilfen (Waisen), Agone ua; seine Wohltaten (euergetai) und Ehrungen sind in seiner Heimatstadt Rhodiapolis in der mit ca. 2000 Zeilen längsten griechischen Inschrift (incl. 12 Briefe von Antoninus Pius; TAM II,905) verewigt. Für Großspenden in Selge (Publia Planca Aurelia Magniana Motoxaris) und Perge (Plancia Magna) zeichnete eine verzweigte Kaufmannsfamilie verantwortlich.
Nicht weit wird noch heute die 9-bogige valerianische Brücke über den Pyramos (Ceyhan) benutzt.
Stammvater Mopsos (Heerführer vor Troja), daher auch Mopsuestia als einer von andern Namen der Stadt (Mopsou Hestia, Herdfeuer des Mopsos, vgl. Vesta).

Literatur:

Aulock, H.v.: Die Münzprägung der kilikischen Stadt Mopsos, Archäologischer Anzeiger 1963, S.231-278 (5 Belege)