Einbogige Brücke, die offenbar nur in ihrem oberen Teil abgebildet ist. Der Bogen ist durch eine Kehle zweigeteilt, auf dem Scheitel liegt die 'Fahrbahn' in Form eines Balkens. Auf dem Balken, der rechts gut sichtbar frei verlängert ist, 'fährt' ein einachsiger Wagen, der von zwei Ochsen/Rindern gezogen wird. Eine Deichsel ist nicht, der Schwanz des vorderen Tieres ist vor der seitlichen Wagenverkleidung deutlich erkennbar. Eine perlschnurartige leicht bogenförmige Kette unter den Hälsen der Tiere könnte das Joch (oder einen Schmuck, so auch zwischen den Hörnern ?) darstellen. Im Wagen steht ein Wagenlenker, die nicht sichtbaren Zügel in der Rechten, eine Standarte (COL) in der Linken. Aquila unter dem Brückenbogen nach rechts, ebenso 4 Aquilae auf einem Gerüst hinter dem Gespann. Das Gerüst besteht aus einem überstehenden Querbalken und 4 senkrechten Balken, die unten durch die Kontur des Gespanns in unterschiedlicher Höhe abgeschnitten sind, sich also nicht, wie man erwarten würde, unter den Tieren bis zum "Boden" fortsetzen. Der Adler unterhalb der Brücke scheint auf einem Rind zu stehen oder ein solches in den Fängen zu halten; die beiden anderen Ex. lassen Genaues auch nicht erkennen.

Ref. und (CNG e203, Nr.286 = #k0246 = Filges 971, Abb.30) bds.stempelgleich, weitere Stücke offenbar nicht publiziert.

Die Darstellung von signa ist nach Bosch (S.426) Hinweis auf Marschrouten und Bewegungen der Legionen.

Die von Imhof-Blumer (Kleinasiatische Münzen, Nachtr.S.507) ins Spiel gebrachte Interpretation als Triumphbogen ist wohl angesichts der Ochsen eher unwahrscheinlich. Bellinger, S.134, zählt die Rs. zu den "triumphal types", geprägt zu einem unbekannten Anlaß.
In meinen Augen muß der Bau eine Brücke darstellen: der 'Fahrweg' ist über senkrechte Begrenzung des Bogens hinaus verlängert - das ist mit dem Bild eines Triumphbogens ebenfalls nicht vereinbar.

Nach Filges (S.122) ist der Wagenlenker wegen der militärischen Attribute als Maximinus höchstselbst zu identifizieren - der aber nie die Stadt in persona besucht hat; auch die Vorstellung des Kaisers in einem 'Ochsenkarren' scheint unwahrscheinlich. Alternativ könne das Bild zwar auch als Dokument für die kaiserliche Baufinanzierung erklärt werden, was aber "an dem Schweigen der Quellen scheitert" (ebda.) - ein Argument, welches allerdings ebenso auf die vom Autor präferierte Deutung zutrifft.

Keine Interpretation will so recht überzeugen. Vielleicht ist ja einfach nur eine lokale Begebenheit oder eine Aktion im Rahmen von militärischen oder anderen Feierlichkeiten dargestellt (welche den Zeitgenossen auf Anhieb verständlich war). Allerdings schweigen die Quellen auch dazu.

In diesem Zusammenhang sei noch einmal auf die Bemerkung von Liegle (S.214, s. Zitat in Notiz zu #a0109img) verwiesen, wonach eine Bilderklärung nicht unbedingt eines literarischen Beleges bedürfe. (*)

Das Monument als solches steht jedenfalls nicht im Vordergrund, es ist distal sogar 'abgeschnitten', also unvollständig dargestellt. Die Art der Darstellung ist verwandt mit der eines Tores der Stadt (s. Notiz zu #a1044img), vielleicht sogar von einer Hand geschnitten.


(*) Man möchte gerne in aller Kürze hinzufügen: 'zumal ja die schriftlichen Quellen ihrerseits Überprüfungen nicht immer standhalten'.

Literatur:

Bosch, C.: Kleinasiatische Münzen.., AA 1-2 (1931)
Bellinger, A.R.: Troy the Coins, New Haven 1961
Filges, A.: Münzbild und Gemeinschaft. Die Prägungen der römischen Kolonien in Kleinasien (Frankfurter archäologische Schriften Bd 29), Bonn 2015