Gesamtansicht des Circus Maximus mit Blick auf die linke Längsseite und (aus vogelperspektivischer Sicht) auf den Innenraum mit den gegenüberliegenden Rängen am Fuß des Aventin. Erhebliche Anzahl von Stempelvarianten mit Unterschieden im Detail.

Eine langgestreckte flache Basis trägt eine Arkade aus 13 (Varianten mit unterschiedlicher Anzahl) Bögen, an die sich rechts ein einzelner um ein Drittel höherer Bogen unmittelbar anschließt. Die auf diesen aufgesetzte Attika reicht bis zur Dachtraufe der Längsseite und wird von einer Quadriga (wohl in Seit- und Frontalansicht) bekrönt. Leicht nach links versetzt und in fast ganzer Höhe nach oben gestaffelt ist ein gleichartiger Bogen einschließlich einer (jedoch nur frontalsichtigen) Quadriga dargestellt. Der Arkade liegen in ganzer Länge zwei gemauerte Stockwerke mit teils noch eben erkennbaren rechteckigen Fenstern auf. Geschoß- und Dachsims sind links deutlich nach oben gebogen und deuten so die gerundete Stirnseite des Circus an. In der Rundung steht, nur im unteren Teil wenig verdeckt, ein einbogiger Triumphbogen über Eck, auf der Attika eine Quadriga nach rechts. Rechts anschließend und unmittelbar parallel zum Dachsims der vorderen Seitenwand ist die Spina des Circus zu sehen, auf der links außen und rechts je zwei Metae (die jeweils dritte ist nicht sichtbar) stehen. Etwa in der Mitte zwischen diesen ragt auf rechteckigem Sockel ein Obelisk mit seiner Spitze bis an die Legende und überschneidet dabei die rechte Längsseite des Circus (s.u.). Auf der Spina, zwischen Obelisk und rechten Metae, steht ein zweisäuliger Bau mit Dreiecksgiebel, am äußersten rechten Ende der Spina sind vier Pfähle mit kugelförmigen Enden zu erkennen, die evtl. die Rundenanzeige (in verkürzter Form) darstellen. Links neben dem oberen Teil des Obelisken ist ein viersäuliger Tempel auf dreistufiger Basis mit Dreiecksgiebel abgebildet, auf dessen Spitze eine Figur(?) steht. Der Tempel überschneidet ebenso wie der Obelisk die Zuschauerränge, also die Innenansicht der entfernten Längsseite des Baus.

Weitere Abb. eines römischen Circus in Gold und Bronze unter Domitian, Hadrian, Septimius Severus, Caracalla (#k1788, #k2176) und Gordian. Die einzige nicht stadtrömische Münzabbildung eines Circus (Stadion) stammt aus Heraklea/ Bithynien (RG 76: "stade", RG 225 = SNG France 368 dagegen mit fast identischer Rs.: "theatre"! Aukt. MuM Juni 1970, Nr.352 = Price Nr.9).
Eine Wendemarke ("meta") wird auf einem Stück aus Kamarina gesehen (Westermark/Jenkins S.47, Tf. 10); vergleichbar scheint ein (umgestürztes) Objekt ("Pfeiler", so Franke/ Hirmer, S.53, Tf. 45.123R) auf einer syrakusischen Tetradrachme (s. Gorini, S.33).

Die Münzdarstellung ist ungewöhnlich detailgetreu und läßt die markanten Merkmale des Bauwerks klar erkennen (s.u.). Der Stempelschneider bedient sich hier eines Kunstgriffs, der in Rom zum ersten Mal bei den Darstellungen des Portus (#a0861img) und formvollendet bei der des Colosseums (RIC 110) angewendet wurde: er kombiniert die frontale Ansicht mit dem Blick von schräg oben zu einer komplexen Komposition. Dadurch hat der Betrachter gleichzeitig eine Außen- und eine Innenansicht des Baus (ähnlich der Brücken - Darstellung #a0109img). Zusätzlich gewinnt die Darstellung mehr Raum, indem die Bauteile übereinander, gewissermaßen etagenweise, gestaffelt sind; dadurch allerdings leidet generell das Verhältnis von Länge zu Breite. Für den räumlichen Gesamteindruck ist darüberhinaus das Stilelement der Überschneidung von bes. Bedeutung.

Man sieht also naturgetreu den U-förmigen Grundriß, zwei umlaufende Zuschauerränge auf einem Untergeschoß (Arkaden), den Triumphbogen (für Titus) links, die Spina (incl. Obelisk, Rundenzählwerk, metae/ Wendemarken).
Nicht ganz klar sind allerdings Topographie und Zuordnung des viersäuligen Tempels, der natürlich nicht innerhalb der Laufbahn plaziert war. Vermutlich war er dem Sonnengott geweiht (Varianten mit Stern im Giebeldreieck), gelegentlich wird er auch Sol und Luna (Varianten mit Mondsichel und Strahlenkrone; Pennestri S.409, vgl. Kent/Overbeck Tf.69 Abb.259) zugeordnet; jedenfalls ist der Tempel als Symbol für die enge Verbindung zwischen Spielen und Religiosität zu verstehen. Strittig ist auch die Interpretation der beiden (Tor-) Türme auf der rechten Münzseite: es ist wohl anzunehmen, daß sie die Eingangstore (porta pompae) darstellen; das bedeutet, daß die großen Bögen des realen Bauwerks nicht in Verlängerung der Längsseiten (und damit als Seiteneingang, so Hefner, S.147) vorzustellen wären, sondern rechtwinklig dazu (im Münzbild also um 90 Grad in die Arkadenflucht gedreht). Folgerichtig und nicht anders zu erwarten läge die Gangrichtung der Quadrigen in der Längsachse. Ebenso war der Triumphbogen (porta triumphalis) mit seiner Quadriga natürlich unzweifelhaft im rechten Winkel zur Laufbahn errichtet.

In der Motivwahl 'Stadion' bzw. 'Amphitheater' spiegele sich das Hauptinteresse des Volkes, welches Spektakel sehen wolle - "e non manifestazioni culturali, il che, più o meno coincide con quello che avviene oggi" (?! so Panvini/anfiteatri, S. 99 und 105). Das sei nicht nur in Rom so gewesen, sondern auch in den (griechisch geprägten) Provinzen ("scarso interesse del popolo verso il teatro"; s. dagegen das Beispiel aus Athen, s.u.).
Die bekannte Darstellung des 'Colosseums' (Sesterz Titus) ist nicht die einzige Prägung mit einem Amphitheater, s. (allerdings von vergleichsweise sehr geringer Kunstfertigkeit) Caesarea Germanica (RG 15, Tf.44.10, J.Doma) und Herakleia/Bith. (RG 31, Tf.45.1, Severus Alexander). Tierhatz und Gladiatoren sind ua auf einem Denar des Septimius Severus und auf GB aus Synnada (vAulock 3997f, Gallienus) zu sehen. Das Dionysos-Theater ist das einzige auf Münzen geprägte Theater (Athen, Svoronos/Corpus, Tf. 98.44-46).

Der Circus Maximus machte seinem Namen alle Ehre; nach mannigfachen Umbauten, Erweiterungen (ua brach links in der Kurve im Jahr 64 der neronische Brand aus) erreichte er unter Trajan eine Länge von ca. 600m und eine Breite von ca. 160m mit einem Fassungsvermögen von wohl mehr als 250000 Menschen. Der Abschluß der Wiederaufbaumaßnahmen unter Trajan im Jahr 103 wird der Anlaß für die Münzprägung gewesen sein. Der Bau wurde dann zeitweise dauergenutzt wie der Festkalender aus dem Jahr 354 n.Chr. belegt: 175 feriae, 64 circenses, 10 munera, 101 öff. Theaterveranstaltungen (!) fanden zu einem großen Teil im Circus maximus statt. Eingeweiht wohl 329 v.Chr. wurden die letzten offiziellen Spiele unter Totila im Jahr 550 n.Chr. veranstaltet.

Der Obelisk (23,5 m) des Ramses II. wurde schon unter Augustus aus Heliopolis nach Rom verbracht, später unter Sixtus V. auf die heutige Piazza del Popolo versetzt. Die Abbildung eines solchen Transports ist ua auf dem Obeliskensockel im Hippodrom von Konstantinopel im Relief dargestellt.



Lit.:
Andre, J.M.: Griechische Feste, römische Spiele. Die Freizeitkultur der Antike. Stuttgart 1994
Bergmann, B.: Pictorial Narratives of the Roman Circus, in (ed.) J.-M.Roddaz u. J.Nelis-Clement: Le Cirque et son Image, Bordeaux 2009, S.359-389
Franke, P.R. und Hirmer, M.: Die griechische Münze, München 1964
Hönle, A. u.Henze, A.: Römische Amphitheater und Stadien. Zürich und Freiburg 1981
Nelis-Clément, J.u. Roddaz, J-M. (ed.): Le Cirque Romain et son Image, Paris 2008
Price, M.J.: Greek Imperial Coins, some recent acquisitions..., NC 131 (1971), S.121-134
Westermark, U. u. Jenkins, K.: The Coinage of Kamarina, RNS Spec.Publ. 9, London 1980